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Die Literaturwerkstatt besteht seit Herbst 1995 und wird gefördert vom Kulturkonvent des Kulturraumes Elbtal. Das Besondere besteht in der kulturellen Einheit dreier Bibliotheken, der Stadtbibliothek Riesa, der Stadtbibliothek Meißen und der Karl-Preusker-Bücherei Großenhain mit dem freien Schriftsteller, Jürgen Ritschel, der in der Sächsischen Schweiz lebt. Die Literaturwerkstatt tagt für Schüler-Jugendliche und für Erwachsene in den jeweiligen Bibliotheken nach einem Jahresplan, steht allen Interessenten offen und stellt sich das Ziel, Autoren zu entwickeln. Dabei wird geduldig, aber beharrlich die Qualität der Schreibversuche angehoben und zur Veröffentlichungsreife geführt. Freilich dauert ein solcher Prozess oft Jahre. Wir bedienen die Genres Lyrik, Dramatik und Prosa, geben keine Themen vor, weil der selbst gewählte Stoff die Lust am Schreiben mitbringt und die Arbeit am Wort eher produktiv wird.
Wie läuft die Werkstatt ab?
Sie beginnt mit einem Kurzvortrag zum Handwerk des Schreibens durch den Leiter, wobei diese Themen nicht eng gefasst sind, sondern von der Stilistik bis zur Grammatik, von der Geschichte bis zur Biografie reichen, immer aus dem Blickwinkel des Schreibenden.
Es schließen sich kritische Auswertungen lektorierter Texte an. Danach folgen Lesungen der Autoren vor der Gruppe und Diskussionen zum Text in der Gruppe.
Der Leiter lektoriert neue Manuskripte in seinem Textbüro und wertet sie in der nächsten Werkstatt aus. So häufen sich mittlerweile 1000 bis 1500 Manuskriptseiten jährlich.
Was kostet die Teilnahme an der Werkstatt?
Ganze 2,50 Euro einschließlich aller Leistungen. Gezahlt wird nur bei einer Teilnahme. Dieses Geld wird den Fördermitteln gegen finanziert.
Welcher Geist herrscht in dieser Werkstatt?
Wir fühlen uns grundsätzlich den humanistischen Traditionen verpflichtet. Toleranz und Achtung untereinander bestimmen unser Verhältnis bei aller förderlicher Kritik an der literarischen Form. Wir sehen neuen Interessierten mit Spannung entgegen und nehmen sie wohlwollend in unserer Mitte auf, gleich welchen Stand ihre bisherigen Schreibversuche haben.
Wie entstand die Literaturwerkstatt?
Man kann sagen aus Tat und Zufall. Jürgen Ritschel, der bereits von 1978 bis 1990 im Klubhaus der Riesaer Stahlwerker eine Literaturwerkstatt leitete, sie nannte sich damals „Zirkel Schreibender Arbeiter“, entwickelte 1993 in der Sächsischen Schweiz eine Literaturwerkstatt auf marktwirtschaftlicher Basis, die sonnabends tagte und eine Exkursion in die Natur einschloss, um zu entdecken, was man zumeist übersieht, aber zum Schreiben nutzen kann: den Geschmack eines frischen Fichtenzweiges, den Klang gestapelter Hölzer, wenn man sie anschlägt, Regen und Wind und die Stille im Walde, um nur einige Beispiele zu nennen. Das war die Tat.
Eine Lesung aus einem Kinderbuchmanuskript in der Kinderbibliothek Riesa ist der Zufall. Ritschel wurde mit Karin Proschwitz, die Leiterin der Stadtbibliothek Riesa, bekannt. Sie fand an dieser Tat Literaturwerkstatt Gefallen, ging in die Spur, organisierte und bald konnte die Literaturwerkstatt des Kulturraumes Elbtal tagen und gehört mittlerweile in den drei Bibliotheken Riesa, Meißen und Großenhain gewissermaßen zur Innung.
Karin Proschwitz ist die unermüdliche organisatorische Säule im Hintergrund und nimmt an den Werkstätten aktiv als Diskussionspartnerin teil. Freilich sind hier die Exkursionen in die Natur aus Zeitgründen an den Wochentagen nicht möglich.
Ziele und Ergebnisse der Literaturwerkstatt
Irgendwann steht die Frage der Öffentlichkeit nach einem Leistungsbeweis und irgendwann stehen die Autoren vor der Frage, was wird denn nun mit meinem Manuskript, an dem ich lange gearbeitet habe?
Der erste Leistungsbeweis war eine Anthologie, die von der Stadtbibliothek Riesa im Jahre 2000 herausgegeben wurde und durch Fördermittel des Kulturraumes Elbtal möglich geworden war. Titel: „Da ist ein Drängen in mir.“ Die Druckvorstufe und Gestaltung besorgte der Leiter Jürgen Ritschel. Diese Herausforderung bildete für ihn die Grundlage, eine zweite Anthologie im Jahre 2003 herauszugeben ohne Fördermittel und in Eigenregie. Titel: „Prosa und Lyrik Autoren aus dem Elbtal“. So bilden sich Synergieeffekte. Zugleich wurden Autoren der Schreibwerkstatt Natur des Nationalparkhauses Bad Schandau einbezogen, einer Literaturwerkstatt mit gleichem Profil, die Ritschel ebenfalls seit nunmehr 3 Jahren leitet und die in der Stadtbibliothek Pirna tagt. Gemeinsame Lesungen beider Werkstätten folgten in Bad Schandau und Pirna. Gleichermaßen als Synergieeffekt aus der Literaturwerkstatt erwachsen ist die Herausgabe einer Anthologie unter dem Titel: „Leben in Elbgebieten von Böhmen bis Sachsen-Anhalt“, die als lockere Folge von Jürgen Ritschel herausgegeben wird und die mit Beiträgen aus der Geschichte und Gegenwart unterschiedlichster Wissens- und Kulturrichtungen Leben in Elbgebieten spiegelt. Mittlerweile reiften in der Literaturwerkstatt des Kulturraumes Elbtal eigenständige Arbeiten, die das Prädikat Erzählband oder Roman verteidigen können. Also reifte auch der Entschluss, einen Verlag zu gründen, der sich dieser Literatur annimmt: Verlag Jürgen Ritschel, Kleingießhübel. Im Jahre 2004 kam eine ungewöhnliche Anthologie heraus, die etwas später zur Grundlage eines Projektes der Literaturwerkstatt werden sollte. Bürger der Stadt Roßlau schrieben Geschichten gegen das Vergessen. In einer Gemeinschaftsinitiative mit der Stadtbibliothek Roßlau entstand im Jahre 2004 das Buch: „Roßlauer Geschichten von Roßlauer Bürgern.“ Geschichten aus dem Volksleben bis etwa 1950. Es kamen Beiträge von Roßlauern, die mittlerweile in der Schweiz, im Fläming, in Hannover, in Berlin oder anderswo lebten. Aus dieser Buchidee erwuchs das Projekt der Literaturwerkstatt: „Meißner Geschichten von Meißner Bürgern“, das als Buch 2006 erschien und Aquarelle des früheren Meißner Porzellanmalers Rudolf Jahn enthält. Der Kontakt zu einer Literatengruppe in Oberbayern, die gemeinsam mit der Literaturwerkstatt in der Stadtbibliothek Riesa las, ermöglichte 2006 die Herausgabe einer Erzählung von Dr. Michael Oestreicher aus Rosenheim: „Das Licht des Berggeistes“, die in den argentinischen Anden handelt.
Inzwischen drängten die ersten eigenständigen Arbeiten von Autoren der Literaturwerkstatt ans Licht. Im Dezember 2005 erschien im NOTschriften Verlag Radebeul ein Lyrikbändchen von Petra Vetter aus Riesa. „Mit dem Wind bin ich gegangen“. Der erste Roman eines unserer Autoren, Jens Riede aus Riesa, erschien 2006 im Verlag Jürgen Ritschel. „Nicht mit dem Strom geschwommen - Maik Sander.“
In diesem und den kommenden Jahren werden weitere Bücher von Autoren der Literaturwerkstatt erwartet. Die Autoren der Literaturwerkstatt erleben eine reine Verlagstätigkeit ohne Kostenzuschüsse. Eine klare Lektorierung, bis die nötige literarische Qualität erreicht ist, gehört zur Verlagsphilosophie.
Wir bieten unsere veröffentlichten allgemein interessierenden Bücher großen Verlagen zur Lizenzübernahme an.
Gegenwärtig laufen bei der Literaturwerkstatt zwei Buchprojekte gegen das Vergessen: „Geschichten von Riesaer Bürgern“ und „Geschichten von Großenhainer Bürgern“.
Die Literaturwerkstatt bedankt sich bei
dem Kulturkonvent des Kulturraumes Elbtal unter dem Vorsitz des Landrates Herrn Arndt Steinbach;
dem Team der Stadtbibliothek Riesa unter der Leitung von Karin Proschwitz und der FVG Riesa GmbH, der Trägerin der Stadtbibliothek;
dem Team der Stadtbibliothek Meißen unter der Leitung von Sabine Hertwig und der Stadt Meißen, der Trägerin der Stadtbibliothek;
dem Team der Karl-Preusker-Bücherei Großenhain unter der Leitung von Matthias Brucksch, dem Verein Karl-Preusker-Bücherei e.V. unter dem Vorsitz von Margit Werner und beider Träger der Stadt Großenhain. |