Über die Literaturwerkstatt des Kulturraumes Meißen - Sächsische Schweiz - Osterzgebirge Stand März 2014

Die Literaturwerkstatt besteht seit Herbst 1995 und wird gefördert vom Kulturkonvent des Kulturraumes Meißen-Sächsische Schweiz-Osterzgebirge. Das Besondere besteht in der kulturellen Einheit dreier Bibliotheken, der Stadtbibliothek Riesa, der Stadtbibliothek Meißen und der Karl-Preusker-Bibliothek Großenhain mit dem freien Schriftsteller Jürgen Ritschel und den zu entwickelnden Autorinnen und Autoren. Die Literaturwerkstatt tagt in der Einteilung „Schüler-Jugendliche-Einzelkonsultationen“ und „Erwachsene“ einmal im Monat, wobei die Orte Riesa, Meißen, Großenhain monatlich wechseln. Ein Jahresplan liegt vor. Die Werkstatt steht allen Schreibinteressierten offen und stellt sich das Ziel, Autoren zu entwickeln. Dabei wird geduldig, aber beharrlich die Qualität der Schreibversuche angehoben und zur Veröffentlichungsreife geführt. Wir bedienen die Genres Lyrik, Dramatik und Prosa, aber auch Sachtexte beispielsweise zur Heimatgeschichte oder zu Wanderungen. Wir geben keine Themen vor, weil der selbst gewählte Stoff die Lust am Schreiben mitbringt und die nicht einfache Arbeit am Wort eher produktiv wird.

Wie läuft die Werkstatt ab?

Sie beginnt mit einem Kurzvortrag zum Handwerk des Schreibens durch den Leiter, wobei diese Themen nicht eng gefasst sind, sondern von der Stilistik bis zur Grammatik, vom Aufbau einer Geschichte bis zur Biografie von Schriftstellern reichen, immer aus dem Blickwinkel des Schreibenden.

Es schließen sich kritische Auswertungen lektorierter Texte an. Danach folgen Lesungen der Autoren vor der Gruppe und Diskussionen über den Text in der Gruppe.

Der Leiter lektoriert neue oder bereits mehrfach überarbeitete Manuskripte in seinem Textbüro und wertet sie in der nächsten Zusammenkunft aus. Dabei sind 1000 Manuskriptseiten jährlich nicht zu hoch angesetzt.

Was kostet die Teilnahme an der Werkstatt?

Je Teilnahme an einer Werkstatt ganze 2,50 Euro einschließlich aller genannten Leistungen. Stand 2014. Dieses Geld wird den Fördermitteln gegenfinanziert.

Welcher Geist herrscht in dieser Werkstatt?

Wir fühlen uns grundsätzlich den humanistischen Traditionen verpflichtet. Toleranz und Achtung untereinander bestimmen unser Verhältnis trotz förderlicher Kritik an der literarischen Form. Wir sehen neuen Interessierten mit Spannung entgegen und nehmen sie wohlwollend in unserer Mitte auf, gleich, welchen Stand ihre bisherigen Schreibversuche haben.

Wie entstand die Literaturwerkstatt?

Man kann sagen, aus Tat und Zufall. Jürgen Ritschel, der bereits von 1978 bis 1990 als freier Schriftsteller im Klubhaus der Riesaer Stahlwerker eine Literaturwerkstatt leitete, sie nannte sich damals „Zirkel schreibender Arbeiter“, entwickelte 1993 in der Sächsischen Schweiz eine Literaturwerkstatt auf marktwirtschaftlicher Basis, die sonnabends tagte und eine Exkursion in die Natur einschloss, um zu entdecken, was man meist nicht beachtet, aber zum Schreiben irgendwann gebrauchen kann: den Geschmack frischer Fichtenzweige, den Klang gestapelter Hölzer, wenn man sie anschlägt, Regen und Wind und die Stille des Waldes, um nur einige Beispiele zu nennen. Das war die Tat.
Eine Lesung aus einem Kinderbuchmanuskript in der Kinderbibliothek Riesa ist der Zufall. Ritschel wurde dabei mit der Leiterin der Stadtbibliothek Riesa, Karin Proschwitz, bekannt. Sie fand Gefallen an dieser Tat Literaturwerkstatt, ging in die Spur, organisierte und bald konnte die „Literaturwerkstatt des Kulturraumes Elbtal“ gegründet werden, die heute die Bezeichnung trägt: „Literaturwerkstatt des Kulturraumes Meißen-Sächsische Schweiz-Osterzgebirge“ und gefördert wird von dessen Kulturkonvent. Von Beginn an sind die Bibliotheken der Städte Meißen und Großenhain einbezogen worden und gehören heute gewissermaßen zur Innung.

Ziele und Ergebnisse der Literaturwerkstatt

Irgendwann steht die Frage der Öffentlichkeit nach einem Leistungsbeweis und irgendwann stehen die Autoren vor der Frage, was wird denn nun mit meinem Manuskript, an dem ich lange gearbeitet habe?

Cover: da ist ein drängen in mir

Der erste Leistungsbeweis war eine Anthologie, die von der Stadtbibliothek Riesa im Jahre 2000 herausgegeben worden war, ermöglicht durch Fördermittel des Kulturraumes Elbtal. Titel: „Da ist ein Drängen in mir“. Die Druckvorstufe und die Gestaltung besorgte der Leiter Jürgen Ritschel. Diese Herausforderung bildete für ihn die Grundlage, eine zweite Anthologie im Jahre 2003 herauszugeben, nun als Verlag Jürgen Ritschel, hergestellt in Handarbeit, ohne Fördermittel zu nutzen. Titel: „Prosa und Lyrik - Autoren aus dem Elbtal“. So bilden sich Synergieeffekte. In diese Anthologie wurden Autoren der „Schreibwerkstatt Natur“ des Nationalparkzentrums Bad Schandau einbezogen, einer Werkstatt, die Ritschel 2003 ins Leben rief und bis zur Gegenwart leitet, die eng mit der Stadtbibliothek Pirna zusammenarbeitet und gefördert wird von der „Sächsischen Landesstiftung Natur und Umwelt“ Dresden.

Gemeinsame Lesungen beider Werkstätten folgten in Bad Schandau und Pirna. Gleichermaßen als Synergieeffekt aus der Literaturwerkstatt erwachsen ist die Herausgabe einer Anthologie „Leben in Elbgebieten von Böhmen bis Sachsen-Anhalt“ im Verlag Jürgen Ritschel. Gedacht als eine jährliche Folge erschienen zwei Bücher, 1993 und 1994. Da der Aufwand äußerst hoch ist, Themen aus Geschichte und Gegenwart unterschiedlichster Wissens- und Kulturrichtungen aufzuarbeiten, sind weitere Folgen bisher ausgeblieben. Im Jahre 2004 kam eine Anthologie heraus, die zur Grundlage eines internen Projektes der Literaturwerkstatt werden sollte: „Schreiben gegen das Vergessen“. Bürger der Stadt Roßlau, Ritschels Geburtsstadt, schrieben Geschichten auf aus der Zeit bis 1950. Titel: „Roßlauer Geschichten von Roßlauer Bürgern“. Es kamen Beiträge von Roßlauern und Umgebung, aber auch von ehemals Ansässigen aus der Schweiz, dem Fläming, aus Hannover, Berlin und anderswo. Aus dieser Buchidee erwuchs die Anthologie: „Meißner Geschichten von Meißner Bürgern“ mit Aquarellen des Meißner Porzellanmalers Rudolf Jahn und die Anthlogie „Geschichten aus Riesa und Großenhain - Kriegs- und Nachkriegszeit“.
Kontakte zu einer Literatengruppe in Oberbayern entstanden über Ralph Müller, einem früheren Teilnehmer des Riesaer Zirkels schreibender Arbeiter, dessen erstes Buch „Die Wege der tausend Erinnerungen“ Ritschel lektoriert hat. Eine gemeinsame Lesung in der Riesaer Stadtbibliothek folgte mit der Erzählung „Das Licht des Berggeistes“ von Dr. Michael Oestreicher, Rosenheim, einer Erzählung aus den argentinischen Anden, verlegt von Ritschel 2006.

Mittlerweile sind seit 2002 von 15 Autoren 26 Titel herausgegeben worden und 7 Anthologien mit geschätzten 4- bis 5000 Exemplaren, alle in Handarbeit mit guter Qualität hergestellt. Da Bücher auch verborgt werden und in einigen Bibliothen stehen, kann man von 10000 Lesern ausgehen. Die Veröffentlichungen der Autoren der Literaturwerkstatt Meißen-Sächsische Schweiz-Osterzgebirge sind in der Rubrik Publikationen mit Leseproben erwähnt.

Verlagsalltag

Die anfängliche Illusion, eine klassische Verlagstätigkeit im kleinen Rahmen zu versuchen, erfüllte sich in der marktwirtschaftlichen Realität nicht. Geblieben ist die kostenlose Herstellung des ersten Buches von Teilnehmern der Literaturwerkstatt des Kulturraumes Meißen-Sächsische Schweiz-Osterzgebirge. Abzugeben ist ein Manuskript in Word. Die Autoren allerdings vertreiben ihre Bücher zumeist selbst und bestellen nach Bedarf zum Autorenvorzugspreis. Die Bücher sind gespeichert. Werden ihre Bücher direkt vom Verlag vertrieben, erhalten sie ein Honorar von 10% des Buchpreises. Verträge regeln die Feinheiten.

Bei Lesungen werden Bücher von den Autoren zum Kauf angeboten bzw. werden Bestellungen angenommen.

Interessierten großen Verlagen bieten wir Lizenzübernahmen an.

Die Literaturwerkstatt bedankt sich bei

dem Kulturkonvent des Kulturraumes Meißen-Sächsische Schweiz-Osterzgebirge unter dem Vorsitz des Landrates Herrn Arndt Steinbach,

dem Team der Stadtbibliothek Riesa unter der Leitung von Karin Proschwitz und der FVG Riesa mbH, der Trägerin der Stadtbibliothek,

dem Team der Stadtbibliothek Meißen unter der Leitung von Gabriele Gal und der Stadt Meißen, der Trägerin der Stadtbibliothek,

dem Team der Karl-Preusker-Bücherei Großenhain und dem Verein Karl-Preusker Bücherei e.V. sowie der Stadt Großenhain.

 

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